Die Schule sollten „Treibhäuser der Zukunft“ sein und keine „Wissensfabriken“

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Freitag, 02. Oktober 2009 um 11:03 Uhr

Die Schule sollten „Treibhäuser der Zukunft“ sein und keine „Wissensfabriken“
Leserbrief zum Leitartikel „Unterbewertet" vom 15. September 2009 in der Badischen Zeitung.
Von Rainer Schoenfeld, Opfingen

Die Schule ist keine „Schraubenfabrik“, natürlich nicht, schreibt Andreas Böhme in seinem BZ -Leitartikel vom 15.9., um sich gleich darauf selbst zu widersprechen: sie ist, bitteschön, doch im „wirtschaftlichen Kontext“ zu betrachten. Von Natur aus, von ihrem Auftrag her gesehen, ist Schule keine „komplexe Wissensfabrik“, jeglicher Vergleich mit einem börsennotierten Unternehmen ist fehl am Platze. Schule im besten Sinne sollte ein komplexer Lern- und Lebensraum sein, in dem jeder Schüler und jede Schülerin seine/ihre individuellen Fähigkeiten entdecken und weiterentwickeln kann. In diesen „Treibhäusern der Zukunft“ (R. Kahl) muss gut begossen und gedüngt (motiviert) werden, aber nicht ständig gestutzt und umgetopft (bewertet und getestet) werden. Das „interaktive und dialogische Beziehungsgeschehen“ (Bauer, Lob der Schule) in der Schule unter vornehmlich ökonomischen Gesichtspunkten zu betrachten bedeutet, den Druck auf Lehrkräfte und Schülerschaft zu erhöhen, mit den bekannten Folgen, die z.B. eine falsch verstandene Verkürzung der gymnasialen Schulzeit von 9 auf 8 Jahre hervorgebracht hat.

Es ist heute Mode geworden, „jeden Lebensbereich in der Sprache des Marktes zu beschreiben. Evolutionsbiologen erklären das Tierreich nach den Regeln des Risikokapitals. Weibchen ‚investieren’ in Männchen, getrieben vom Streben nach dem genetischen Maximum“ (R.D. Precht in der ZEIT vom 10.9.). Und Journalisten vergleichen Schulen mit einer Produktionsstätte für Bildung, die höchst effizient, d.h. mit möglichst geringem Input (Personal, Ressourcen) ein Maximum an Output (gut entwickelte und erzogenen Kinder und Jugendliche) hervorbringt.

Natürlich ist das nicht so gemeint, weder vom Kultusministerium noch von Herrn Böhme, aber seine Sprache ist verräterisch. Er erwähnt nicht nur die 800 krisensicheren Lehrerjobs, und nährt dadurch die Neiddebatte, ohne die hohe Ausfallquote in der Lehrerschaft zu erwähnen (etwa 1/3 erreicht die Pensionsgrenze nicht), sondern beklagt auch, dass die „einfache betriebswirtschaftliche Regel von einem der Nachfrage angepassten (Lehrer-)Angebot abgeschafft“ worden ist, dass nämlich trotz sinkender Schülerzahlen alle Stellen im Schulsystem verbleiben. Das sind aber längst notwendige Verbesserungen im Lehrer-Schüler-Verhältnis auf dem Weg zu „Treibhäusern der Zukunft“. Angesichts des etwa 25prozentigen Anteils bildungsschwacher Jugendlicher im Alter von 15 Jahren, vorwiegend mit Migrationshintergrund, sind weitere Maßnahmen dringend erforderlich. Wie vergleichsweise gering der Wert von Bildung in Deutschland erachtet wird, zeigt ein Ergebnis der letzten OECD – Bildungsstudie: zwischen 1995 und 2006 hat Deutschland seine Ausgaben für Bildung im Verhältnis zu seiner Wirtschaftskraft von 5,1 auf 4,8 Prozent verringert. Nur vier von dreißig Ländern ist ihre Zukunft noch weniger wert. In der Tat, nicht nur die Schule, das Bildungssystem insgesamt ist unterbewertet.

 

Das Zauberwort heißt Wahlfreiheit

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Freitag, 12. Juni 2009 um 14:28 Uhr

Das Zauberwort heißt Wahlfreiheit“
Leserbrief zum Bericht „Plädoyer für Erhalt der Sonderschulen“ vom 16. Juni 2009 in der Badischen Zeitung.
Von Eva Kottmeier, Freiburg

Der Elternbeirat des Bildungs- und Beratungszentrums für Hörgeschädigte Stegen fordert den Erhalt von Sonderschulen und vermisst eine differenzierte Sichtweise des Themas. Dass das Bildungszentrum sowie andere Sonderschulen eine hervorragende Arbeit leisten und deren Abschaffung auch gar nicht zur Debatte stehen soll, stellt, so denke ich, auch niemand in Abrede.
Anzunehmen ist, dass der Impuls für das Verfassen der Resolution auf der jüngst vom Kultusminister geäußerten Absicht fußt, die Sonderschulpflicht abschaffen zu wollen. Hierbei ist allerdings zu betonen, dass Herr Rau nicht die Sonderschulen selbst aufgelöst wissen möchte, sondern die Pflicht oder gar den Zwang für behinderte Kinder, eine solche Schule besuchen zu müssen statt nur zu wollen.
Bislang war nämlich genau dies der Fall, auch wenn von Eltern anderes gewünscht wurde.
Die Absichtserklärung des Ministers ist für inklusionswillige Eltern behinderter Kinder ein lang ersehnter Streifen am Horizont. Viele, die einen anderen Weg für ihr Kind wählen wollten als den der Sonderbeschulung, wissen, was dies bedeuten könnte: kein steiniger Weg mehr, den man sich vorher oft mit Hilfe eines langen Atems, einem Haufen Geld geschundener Nerven und drohender Illegalität bei Nichtbefolgung des Sonderschulzwangs mühsam erkämpfen musste. Das Zauberwort, auf das wir gewartet haben, heißt Wahlfreiheit.
Diese wird konsequenterweise auch dazu führen, dass Schulbehörden, Kultusministerium Eltern und Lehrer sich Gedanken darüber machen müssen, wie eine inklusive Schule auszusehen hat, damit genau das nicht passiert, was der Elternbeirat des Bildungszentrums für Hörgeschädigte in Stegen moniert, als da sind: zu große Klassen, schlecht ausgebildete Lehrer, Mobbing, unzureichendes Equipment und vieles mehr.
Statt an der Sonderschule als einzigen Weg der Beschulung festzuhalten, wie im Artikel dargestellt („Nur in sonderpädagogischen Einrichtungen könne individuell auf die Kinder eingegangen werden“), sollte sich der Elternbeirat lieber über die neu gewonnenenen Möglichkeiten freuen, die sich fortan in unserer Bildungslandschaft ergeben werden.
Er könnte beispielsweise sein langjähriges Know-How an die allgemeinen Schulen weitergeben, damit sich zu dem künftigen Selbstverständnis, dass behinderte und nichtbehinderte Menschen von Kindesbeinen an in jedem gesellschaftlich relevanten Bereich zusammengehören, eine ausgezeichnete individuelle schulische Förderung gesellen kann.


   

Pragmatische Scheinlösungen oder ein demokratisches Schulsystem

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Freitag, 26. Juni 2009 um 00:00 Uhr

Wider die Zweigliedrigkeit
(Von Brigitte Schumann)

Man muss keine hellseherischen Fähigkeiten haben um zu erkennen, dass die sog. Zweigliedrigkeit eine hohe Wahrscheinlichkeit hat, auch zum neuen Strukturmodell für alle westdeutschen Bundesländer zu werden. Nach Hamburg wollen auch Berlin und Bremen darauf zusteuern und schulstrukturellen Entwicklungen in Ostdeutschland folgen.

Bildungspolitisch besticht diese Lösung wohl dadurch, dass die gefürchtete Kontroverse mit der Gymnasiallobby vermieden wird (Ratzki 2009). Das eigentliche Problem unseres Schulsystems lässt sich aber so nicht auflösen: die Unvereinbarkeit der hohen sozialen Selektivität mit dem Anspruch auf gleichberechtigten Zugang zu guter Bildung für alle in einer demokratischen Gesellschaft...

Laden Sie den vollständigen Artikel hier herunter: WiderdieZweigliedrigkeit_Schumann.pdf



   

Streichung von ISEP-Klassen in Baden Württemberg_5. Teil

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Mittwoch, 10. Juni 2009 um 00:00 Uhr

Ein Antrag der SPD auf Fortsetzung des seit acht Jahren an der Anne-Frank-Schule in Freiburg verwirklichten integrativen Schulentwicklungskonzepts fand im Schulausschuss  des Landtages keine Mehrheit.
Begründung des Kultusministeriums: Es liegen keine neuen Anmeldungen für behinderte Schüler vor.

Eine schlüssige „Begründung": Erst beendet man gegen den Willen von Eltern und Schule einen erfolgreichen Versuch und wundert sich dann, dass keine Anmeldungen neuer Schüler vorliegen.




   

Von Inklusion profitieren alle

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Mittwoch, 20. Mai 2009 um 00:00 Uhr

Psychologenverband will Regelschulsystem bundesweit für behinderte Kinder öffnen

"Keine Ausgrenzung behinderter Kinder in Deutschland!" Diese Forderung erhob die Delegiertenkonferenz des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) heute in Berlin und unterstützte damit eine zügige Umsetzung der UNO-Konvention für die Rechte behinderter Menschen insbesondere in den Schulen. Der Verband wendet sich damit sowohl an Bund und Länder als auch an Eltern, die mit der Inklusion die Furcht vor einem sinkenden Bildungsniveau verbinden.

Der BDP sieht in der Inklusion behinderter Schülerinnen und Schüler eine große Chance, die Fähigkeit zum Umgang mit Unterschiedlichkeit bereits in der Schule - besser schon in den Kindertagesstätten - zu entwickeln. "Aus psychologischer Sicht ist die Inklusion eine unabdingbare Voraussetzung für die Ansätze der individuellen Förderung in Schulen und einen respektvollen Umgang in unserer Gesellschaft", so Michael Ziegelmayer, Vorstandsvorsitzender der Delegiertenkonferenz. Eine deutliche Verstärkung der Bemühungen zur Beschulung behinderter Schüler in den Regelschulen ist dringend erforderlich. Dazu müssen aber die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden.

In anderen Ländern Europas gelingt das bereits seit Jahren. 80 Prozent der Kinder mit Behinderungen lernen im EU-Durchschnitt an Regelschulen. In Deutschland dagegen besuchen nur 16% der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine Regelschule. "So sehr sich Lehrer an Förderschulen um ihre Schüler bemühen, so wenig können sie verhindern, dass durch dieses Konzept Benachteiligungen eher verfestigt als behoben werden", betont Ziegelmayer.

Damit der Prozess gelingt, bietet der Verband seine fachliche Beratung und Unterstützung an und kann dabei auf vielfältige Erfahrungen in diesem Bereich zurückgreifen.

Der BDP appelliert an Bund und Länder sowie alle im Bereich Bildung Verantwortlichen, die strukturellen und institutionellen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass künftig Regelschulen für die Beschulung aller Kinder, unabhängig von ihren psychischen, intellektuellen, sozialen, emotionalen, sprachlichen und anderen Fähigkeiten verantwortlich sein können. Unakzeptabel sei es, wenn - aus Kostengründen - bestehende Klassen einfach um ein paar Kinder mit Handicaps vergrößert würden. Die zum Teil zu beobachtende Reduzierung der Diskussion über Inklusion auf die Kostenfrage wird vom BDP entschieden abgelehnt. "Erstens können wir nicht zulassen, dass die Achtung oder Nichtachtung von Menschenrechten je nach Haushaltslage beurteilt wird und zweitens ist die Behauptung, dass Inklusion langfristig zu hohen Mehrkosten führe, falsch", sagte Ziegelmayer unter Hinweis auf vorliegende Studien.


   

Inklusiver Unterricht an der Walddorfschule in Emmendingen weiterhin möglich

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Freitag, 15. Mai 2009 um 00:00 Uhr

Wir begrüßen die Entscheidung der Landesregierung, der Waldorfschule in Emmendingen auch in Zukunft den inklusiven Unterricht zu celebration7_sermöglichen. Damit korrigiert die Landesregierung ihren bisherigen Kurs, gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Freiburg vom März diesen Jahres Berufung einzulegen.
Was sich bereits in den vergangenen Tagen abgezeichnete, ist seit dem 13, Mai 2009 Gewissheit: Die Walddorfschule darf auch in Zukunft behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam unterrichten. Damit wird in Baden-Württemberg erstmals der Ende 2009 von der Bundesrepublik Deutschland ratifizierten UN-Kinderrechtskonvention, die die Gleichbehandlung behinderter Kinder fordert, Rechnung getragen.

Lesen Sie unsere Presseerklärung:



   

Rau will Sonderschulpflicht aufheben - aber nur halbherzig

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Mittwoch, 06. Mai 2009 um 19:58 Uhr

Kultusminister Rau hat bei der Vorstellung eines Berichtes zur Sonderpädagogik in Stuttgart mitgeteilt, dass die Sonderschulpflicht aufgehoben werden solle und alle Schüler mit Behinderung künftig eine allgemeinbildende Schule besuchen dürften. Grundlage für die Neuausrichtung sei das Konstanzer Modell.
Dies bedeutet, dass die Schüler mit Behinderung Schüler einer Sonderschule bleiben und an der allgemeinen Schule lediglich eine Außenstelle bilden. Dies wiederspricht nach wie vor dem Gedanken eines inklusiven Bildungssystems, das alle Schüler in einer Schule zum gegenseitigen Nutzen unterrichten will.
Die Landesregierung greift zu jedem Strohhalm um das ungerechte gegeliederte Bildundssystem des Landes zu retten. Eine Sackgasse, wie die kürzlich aus der Taufe gehobene Werkrealschule zeigt. Wie weit soll die unmenschliche (Aus)Gliederung noch getrieben werden?

Wir bleiben dabei: Inklusion jetzt.

Lesen Sie hier einige Stellungnahmen zum Thema:


   

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